17. Januar 2015


Ich habe sie abgewürgt – erledigt. Die Vorsätze von Anfang Jahr. Spätestens nach zwei Wochen im Januar muss bei mir ein solcher «Ausverkauf der Möglichkeiten» über die Bühne.

Noch in den geheiligten Weihenächten des letzten Jahres nahm ich mir vor, im 2015 endlich das Crawlen zu können. Nun wurde ich belehrt: bis man diese Technik wirklich beherrscht brauche es mehr als ein Jahr. Und ich, so sagte meine Schwimmlehrerin, sei ein typischer Brustschwimmer. Also: Vorsatz erledigt, aber dran bleiben.

Mit leisem Schock und grosser Verwunderung las ich in einer Fachzeitschrift von Prokrastination*. Weil das Wort bei jedem Mann sofort ein Zucken im Unterleib auslöst, war ich neugierig. Siehe da, ich bin auch einer von denen. Wusste ich ja, ich bin kein «Erledigungstaktiker» wie einer meiner früheren Auftraggeber (siehe Biografie HJS).


Was Du morgen kannst besorgen, darüber musst Du heute Dich nicht sorgen.

Was Du morgen kannst besorgen, darüber musst Du heute Dich nicht sorgen.
(Plakatausschnitt aus einem Wettbewerb der Hochschle Luzern / Design & Kunst 2012/13
)


Der Vorsatz, meine Schreibstube im neuen Jahr so gut wie unberührt und aufgeräumt zu betreten, blieb – wie letztes Jahr – unter den Bergen von Büchern, Artikeln und Unsortiertem begraben.

Aber da: bei Spaziergängen in einer Kleinstadt an der Schweizer Grenze komme ich öfters an einem speziellen Haus vorbei. Dieses Mal schaute ich genauer hin. Der schöne Wintergarten hatte mich schon immer irritiert. Jetzt merkte ich, warum: Die Schachteln und Pakete bis zur Decke waren es.

Es gibt noch viel zu tun – lassen wir es gut sein.
Es gibt noch viel zu tun – lassen wir es gut sein.

Es gibt noch viel zu tun – lassen wir es gut sein…


Mein Vorsatz des akuten Handelns zum Aufräumen war sofort totgelaufen. Begründung: Wenn schon andere ihre Prokrastination so demonstrativ zur Schau stellen, dann kann ich in meinen vier Wänden mit mir doch nachsichtig sein.

Ein weiterer Vorsatz: mich wieder den interessanten Führungen widmen in der St. Charles Hall Meggen (siehe Jubiläums-Buch St-Charles-Hall-Stiftung). Das hatte ich früher während etwa sieben Jahren getan. Mit viel Freude. Nun wurde ich um eine Privatführung gebeten und kam mächtig in Fahrt.

Von einem der Gäste bekam ich eine Fotografie. Als Pausenclown hätte ich Chancen. Was meinen kritischen Augen jedoch mehr auffiel, war das Volumen der abgebildeten Person.

Im Gobelin-Zimmer der St. Charles Hall in Meggen .

Im Gobelin-Zimmer der St. Charles Hall in Meggen  © Foto Peter Hille, D-Lingen, 2015


Nächster Vorsatz: Abnehmen. Ja, ich weiss, ein ausgeleiertes Thema. Aber ich habe neue Impulse bekommen. Vom Urkilo. Das Urkilo ist jener Zylinder aus Edelmetall, der als exaktes 1-Kilo-Produkt das Maß aller Dinge ist. Das seltene Stück steht in Paris und dient als Referenz, hatte aber zugenommen.

Wie das?, so fragten sich die Wissenschafter. 10 Mikrogramm zu viel? Bis sie merkten, dass es sich um einen Belag aus Schmutz und Staub handelte. Ich dusche mich seitdem häufiger und länger. Aber mein Idealgewicht ist noch lange nicht erreicht. Darum wird Vorsatz Nummer 1 gleich wieder künstlich beatmet und das regelmässige Schwimmen intensiviert.

Alles in allem blieben nach einer Streichliste zwei Dinge auf der Agenda fürs 2015. Mit voller Konzentration einen biografischen Roman zu Papier bringen, der bisher in allen möglichen Skizzen und Dokumenten verstreut auf Realisation wartet.

Und zweitens den Auftrag für ein «Geburtstags-Buch» so zu realisieren, dass nicht nur der Beschenkte sich freut, sondern ich selbst mich damit auch beschenken kann. Das alleine reicht für ein Jahr. Alles weitere ergibt sich von selbst. Und wie immer in diesem Zusammenhang: das meiste im Leben, das passieren könnte, passiert sowieso nicht.

* Prokrastination (lateinisch aus «pro» = «für» und «cras» = «morgen») Etwas vertagen, aufschieben bis hin zur Erledigungsblockade.