9. April 2014

Vor ein paar Wochen, Ende März, befasste sich «DAS MAGAZIN» mit dem Thema Lügen, Doppelleben und Geheimnisse. Darin schrieb auch eine Ghostwriterin. – Nein, diesen Begriff scheint es wirklich nicht zu geben.

Die Autorin, die eigentlich Journalistin und Buchautorin ist, bezeichnet sich in ihrem Artikel immer als Ghostwriter oder Ghost, trotz aller feministischen Gleichstellung. Aber darum geht es mir hier gar nicht. Mir fiel auf, wie klar sie sich zu ihrer Arbeit als Ghost bekannte.

Wenn das gleiche Selbstverständnis, das man den Redenschreibern von Politikern zubilligt, auch für Buch-Ghost-Autoren gelten würde, wäre ihr Artikel in besagtem Magazin wohl gar nie erschienen. Es hätte nichts Geheimnisvolles mehr.

Was – zu recht – die meisten Menschen ärgert, die mich auf meinen Beruf ansprechen, sind die Bereiche, wo es nicht in erster Linie um Ruhm und Anerkennung geht, sondern ums knallharte Geschäft, um die Karriere. Die Affäre um den ehemaligen deutschen Aussenminister von Guttenberg ist noch lange nicht vergessen.

In «Zeit-Online» wurde daraufhin ein Ghostwriter interviewt, der mit Arbeiten für Studenten und Doktoranden sein Einkommen regelt. Da der deutsche Hochschulverband sich überlegte, solche Ghostwriter zu bestrafen, folgte eine hitzige Debatte. Die Antworten des Interviewten, der aggressive Ton dabei, liess mich aufhorchen: «Wir lassen uns das Ghostwriting nicht verbieten», betonte er. Und er setzte nach: «Es ist wie beim Waffengesetz: Waffen dürfen zwar verkauft werden, aber sie dürfen nicht missbraucht werden».

Der Gedankengang ist recht zickzackhaft: Ghostwriting für Semester-, Bachelor-, oder Masterarbeiten sei an sich sauber. Die Verantwortung liege bei den Auftraggebern. Sie müssten schliesslich unterschreiben, dass sie die Arbeit selbst verfasst hätten.

Universität Zürich Zentrum

Ob die Figur auf dem Sockel ein wartender, arbeitsloser Ghostwriter ist? Genauso unbeantwortet bleibt die Frage, wie viele Studierende in der Schweiz ihre Arbeiten von einem Ghost schreiben lassen.

Ja, es ist heikel. Ich selbst wurde zu Beginn meiner Tätigkeit mehrfach angegangen mit Mails wie: «Ich muss bis zum 30. März eine Arbeit abliefern. 40 Seiten, Thema xy, koste es, was es wolle». Ich habe mich immer wieder, auch öffentlich in Interviews, gegen diese Art der «Durchschleicherei» geäussert. Keinen einzigen der vielleicht lukrativen Aufträge habe ich angenommen.

Für die ganz investigativen Journalisten: doch ich habe auch… Einer Person aus meinem Bekanntenkreis half ich, eine Abschlussarbeit in einem Weiterbildungsgang zu verfassen. Einem anderem gab ich Tipps für seine Maturaarbeit.

Wenn es darum geht, zu Coachen, zu Redigieren, zu Optimieren, dann gebe ich gerne Wissen weiter. Nicht aber, wenn einer bei seiner Karriereleiter drei Stufen auf einmal packen will und sich dabei noch tragen lässt. Es ist für mich keine Frage des Honorars. Es ist eine Frage der Eigenleistung und der Leistungsbereitschaft.