31.01.2019

Es war Winter, die Publikation drängte. Niemand dürfte ihm zuvorkommen. Mindestens sechs Monate intensivster Arbeit wären andernfalls umsonst. Sein «Sternenbote» musste vor Ostern erscheinen.

Galileo Galilei wusste, welches Potenzial er da in petto hatte. Das Fernrohr war zwar nicht seine Erfindung, doch er hatte viel dafür investiert. Ihm war klar, dass diese Fernrohre, die bis dahin auf den Fürsten- und Königshöfen herumgeboten wurden, ein Spielzeug waren. Die Höflinge amüsierten sich damit. Heute würde man sagen, es war ein «Gadget».

Galilei erkannte, was ein solches Instrument bedeuten würde – wenn man es richtig bauen würde. Mit erheblichen finanziellen Mitteln und seinem gesamten mathematischen und physikalischen Wissen experimentierte er, ließ Gläser schleifen. Dann richtete er sich seine eigene Werkstatt ein und schaffte es schließlich, ein Fernrohr mit fast zehnfacher Vergrößerung zu bauen.

Seine Verblüffung muss unbeschreiblich gewesen sein, als er damit erstmals den Mond anvisierte. Am liebsten hätte er wohl all seine Freunde und Wissenschaftskollegen zusammengetrommelt. Johannes Kepler wäre sicher unverzüglich aus Prag angreist.

Eine der Hauptstrassen von Maikammer

Der Mond, wie er 400 Jahre nach Galilei im Jahre 2010 fotografiert wurde. © wikimedia / Torsten Edelmann (www.wonderplanets.de)

Der Mond, mit seinen Schattenbildungen, seinen «Meeren» und schroffen Wänden war anders, ganz anders als alles, was bisher darüber geschrieben worden war. Galilei, auch als Künstler ausgebildet, zeichnete über Dutzende von Wochen die Mondoberfläche. Nacht für Nacht richtete er sein Instrument auf den Mond, beobachtete und skizzierte. Nebenbei entdeckte er weitere «Monde»: vier Himmelskörper, die um den Jupiter kreisten.

Sein «Sternenbote» erschien mit einem Teil seiner Zeichnungen. Geschrieben, gedruckt und ausgeliefert in rund einem Monat. Ein Bestseller, der die Welt veränderte. Denn die Welt aus dem frühen 17. Jahrhundert war von da an definitiv nicht mehr der Mittelpunkt des Universums. Und die Sonne wie auch die Planeten funktionierten eben nicht als kreisrunde Mechanik.

Die ganze Geschichte ist nebenbei ein Beweis, dass es schon 1610 in der Person von Galilei so etwas wie eine Marketingsstrategie gab. Auch wenn damals niemand mit dem Wort etwas hätte anfangen können. 


Mondfinsternis vom Januar 2019 width=

Mondfinsternis vom Januar 2019, fotografiert mit einem iPhone. Bis zur nächsten Mondfinsternis bei uns wird es noch sechs Jahre dauern.

Ich arbeite weiterhin intensiv am Holzkohle-Buch. Es wird kaum in einem Monat fertig. Aber ganz bestimmt vor der nächsten Mondfinsternis. Jetzt bräuchten wir noch eine «sensationelle Entdeckung». Eine Holzkohlezeichnung, original von Galileo Galilei zum Beispiel. Oder der Beweis, dass es auf dem Mond schon Feuerstellen gab und Holzkohlereste zu finden wären.


Holzkohle, fotografiert von Simon Meyer width=

Kein Mondgestein, aber wenn man es genauer betrachtet, ebenso faszinierend: Holzkohle (nachbarbeitetes Bild / Originalfoto © Simon Meyer)

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